Der Weg in die Abhängigkeit

Der Weg in die Abhängigkeit

Nikotin gilt als eine der am schnellsten abhängigmachenden Substanzen überhaupt. In der Regel genügt schon eine einzige Zigarette um bei besonders dafür empfindlichen Menschen in die Abhängigkeit zu führen. Ist man einmal abhängig, bedarf es keiner Werbemaßnahme mehr. Der Raucher kommt nur noch sehr schwer aus seiner Sucht heraus.

Diesen Umstand wusste die Tabakindustrie schon 1972, wenn nicht noch viel früher. In einem internen Schreiben von Philip Morris heißt es wortwörtlich:

„No one has ever become a cigarette smoker by smoking cigarettes without nicotine“

Übersetzt: „Niemand wurde je zu einem Raucher, indem er Zigaretten ohne Nikotin geraucht hätte.“

Lassen Sie diese Worte mal auf sich wirken. Es war schon mindestens im Jahre 1972 bekannt dass Nikotin abhängig macht. In den Originaldokumenten von Philip Morris bewiesen. 1994 gab es ein Gerichtsverfahren gegen die Vorstandsmitglieder des gleichnamigen Konzerns. Sie leugneten unter Eid das Wissen um die Existenz einer abhängig machenden Wirkung. So läuft das Geschäft und das Geschäft läuft ziemlich gut und milliardenschwer. Die Lobby ist so stark dass ein Verbot bis heute nicht zustande kam. Ganze Regierungen leben gut von der Tabaksteuer, auch von dieser Seite gibt es kein wirkliches Interesse die Massenvernichtung durch die Zigarette zu stoppen.

Nach den schrecklichen Terroranschlägen auf das World Trade Center im Jahre 2001 wurde von nichts anderem als den beinahe 3000 Opfern berichtet. Wenn aber jährlich 5,4 Millionen Menschen an Tabak sterben, das interessiert keinen Nachrichtensender. Und das ist, wie ich finde, ein noch viel größerer Anschlag auf die Menschlichkeit.

Die Tabaksteuer bringt Deutschland im Jahr satte 14 Milliarden Steuereinnahmen. Ich schreibe die unglaubliche Summe mal in Ziffern auf: 14.000.000.000. Auf diese Summe will und kann die Regierung nicht mehr verzichtet. Die Tabakindustrie ist so stark dass jedes Gesetz zur Eindämmung der Rauchsucht torpediert wird. Aber diese Summe ist noch nicht alles. Stellen Sie sich vor wenn die Raucher nicht mehr Raucher wären. Jeder Ex- Raucher würde im Schnitt 10 bis 15 Jahre länger leben. Was würde das für die Rentenkasse bedeuten? Viele Bürger würden noch länger leben und noch länger die Rentenbezüge erhalten. Auch ein riesiger Verlust in Milliardenhöhe. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Für mich ist jeder Raucher der von seiner Last wegkommt ein Gewinn. Jedoch rechnet die Bundesregierung mit Zahlen, nicht mehr, nicht weniger. Genauso wie weiter oben beschrieben. Meiner Meinung nach sind die Steuereinnahmen und die Entlastung der Rentenkassen durch das frühe Sterben der Raucher die Hauptgründe warum die Tabakkonzerne freies Spiel haben, und die Regierung den Tabak nicht verbietet. Dazu kommt noch die äußerst starke Lobby der Tabakkonzerne und perfekt ist das teuflische Trio.

Die Entstehung der Sucht

Gleich vorab; wissen Sie warum Nikotinpflaster und Nikotinkaugummis bei weitem nicht so süchtig machen wie die Zigaretten? Weil die Kaugummis und die Pflaster nicht an positive Erlebnisse gekoppelt sind. Stellen Sie sich vor Sie rauchen nach dem Essen genüsslich mit Ihrem Freund oder Ihrer Freundin eine Zigarette. Oder Sie rauchen eine Zigarette nach dem Sex.

Die Macht der Verknüpfungen

In unserem Gehirn verknüpfen wir ständig Erlebtes in unsere Synapsen. Somit wirkt die Zigarette nach dem Essen als Verstärker für das Wohlfühlerlebnis. Je mehr wir was Positives wiederholen, desto stärker wird der Verknüpfungseffekt in unserem Gehirn und wir wiederholen es gerne. Das Rauchen wird mit Glückshormonen assoziiert, vor allem das Dopamin spielt bei diesen Verknüpfungen eine Rolle. Wenn auf einmal die Zigarette zum Kaffee wegbleibt, „fehlt uns irgendwie etwas“. Das muss aber nicht sein wie wir weiter unten sehen werden. Es ist ein reiner Gewöhnungseffekt den man aber auch wieder ablegen kann. Dieses Wissen ist sehr wichtig wenn wir aus der Sucht herauskommen möchten. Ich erkläre dass an anderer Stelle. Diese positiven Verknüpfungen und der ohnehin schon stark suchterzeugende Effekt des Nikotins sind der Grund dafür, warum wir so schwer von diesen Krebsstängeln wegkommen.

Was passiert nun beim Rauchen?

Bei einem Lungenzug braucht Nikotin ganze 7 Sekunden um das Gehirn zu erreichen. Das ist weltweiter Rekord aller bekannten Drogen. Nikotinpflaster etc. brauchen deutlich länger. Aus der Psychologie ist bekannt dass Belohnungen umso stärker wirken, desto schneller man Sie erhält. Dadurch dass das Nikotin das Gehirn so schnell mit Glückshormonen „belohnt“, Ist der Suchteffekt so immens.

z.B Wenn ein Zirkusdompteur seinen Seelöwen ein Kunststück beibringen möchte, muss er das Tier nach jeder erfolgreichen Aktion sofort belohnen. Haben Sie schon mal einem Dompteur zugesehen? Er belohnt seine Tiere unmittelbar wenn Sie etwas gut gemacht haben, und nicht erst nach der Show. Leider funktioniert der Effekt genauso gut bei uns Menschen. Da Nikotin innerhalb von 7 Sekunden unser Gehirn erreicht, verknüpfen wir schöne Erlebnisse die mit dem Rauchen einhergehen permanent in unserem Gehirn. Das Nikotin selbst führt schon eine Dopaminaus-schüttung herbei, wir fühlen uns für kurze Zeit wohler. Diese Duo, einmal die Belohnung für die Verknüpfung des Erlebten und die Belohnung durch die Glückshormonausschüttung sind für unser Nervensystem unwiderstehlich.

Die Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns als größte Falle

Umso mehr Nikotin unser Gehirn erhält umso mehr passt es sich an. Weiter unten möchte ich diesen Vorgang in Stichpunkten zusammenfassen. Somit können Sie sich ein besseres Bild davon machen:

  1. Erste Nikotinwelle flutet innerhalb 7 Sekunden unser Gehirn
  2. Die Rezeptoren im Gehirn sind bestrebt möglichst alle Nikotinmoleküle aufzunehmen
  3. Ab einer bestimmten Nikotinmenge reichen die Rezeptoren im Gehirn nicht mehr aus
  4. Es werden mehr Rezeptoren an den Nervenverästelungen gebildet um mehr Nikotin aufzunehmen
  5. Desto mehr Rezeptoren umso mehr werden Botenstoffe ausgeschüttet
  6. Fehlt auf einmal das Nikotin, sind die Rezeptoren auf einmal unbesetzt
  7. Es kommt zu Entzugserscheinungen

Bei Autopsien an Gehirnen von verstorbenen Rauchern wurden die doppelte Menge an solchen Rezeptoren gefunden. Aber zum Glück bilden sich, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, diese Rezeptoren wieder zurück.

Die Suchtverstärker als des Teufels Advokat

Als ob die starke, suchterzeugende Wirkung des Nikotins nicht schon reichen würde, werden dem Tabak auch noch weitere suchtverstärkende Substanzen beigemengt.

Honig und Karamell

Sie klingen so verlockend. Der Geruch soll beim Öffnen der Schachtel positive Gefühle erwecken und von, im Grunde genommen üblen Geruch, des Tabaks ablenken. Wenn Jedoch Zucker verbrennt, entsteht eine Substanz namens Acetaldehyd. Diese Substanz verstärkt noch die suchterzeugende Wirkung von Nikotin. Acetaldehyd selbst gilt als eine suchterzeugende Substanz.

Menthol

Menthol gehört meiner Meinung nach in Hustenbonbons aber nicht in die Zigarette. Wissen Sie warum Menthol die Atemwege frei macht? Es entspannt die Bronchien. Somit kann der Raucher noch tiefer inhalieren und das Nikotin wird noch „effektiver“ aufgenommen. Vor allem Kinder und Jugendliche assoziieren Menthol mit Bonbons und sind noch weniger abgeneigt das Zeug zu probieren. Das eröffnet jungen Menschen die Tür zur Sucht. Da die Lungen durch das Menthol weit geöffnet sind, bekommt das Kind oder der Jugendliche so einen Kick, dass schon die erste Mentholzigarette süchtig machen kann. Ein toller Effekt für die Tabakkonzerne, ein Alptraum für alle Eltern. Auch Kakao wird bei manchen Sorten reingemischt und hat einen ähnlichen Effekt wie Menthol.

Vanille

Durch Vanille wird der Rauch basischer, das heißt der PH-Wert wird erhöht. Dadurch können sich die Nikotinpartikel besser von den Teerpartikeln lösen. Somit entfesselt Vanille eine noch stärkere Wirkungskraft des Nikotins. Wird z.B Vanille in Light-Zigaretten beigemengt, haben die „Light-Raucher“ die gleiche Menge Nikotin im Speichel wie die „Normalraucher“. Das nenne ich mal Manipulation der hinterhältigsten Art.

Ammoniak

Durch Ammoniak wird das Nikotin fettlöslicher. Somit kann Nikotin alle Gewebeschichten noch besser und schneller passieren und im Gehirn den „Kick“ auslösen.

Dann rauche ich halt in Zukunft nur noch Light-Zigaretten und lebe gesünder!

Dass das Rauchen von Light-Zigaretten weniger gefährlich ist, ist einer der raffiniertesten Marketingstrategien der Tabakkonzerne überhaupt. Haben Sie gewusst dass Light-Zigaretten genauso viel Teer und Nikotin enthalten wie normale Zigaretten? Wie ist das möglich? Dann würden ja die Tabakkonzerne irreführende Werbung unterbreiten und das ist doch in Deutschland verboten! Richtig! Aber durch einen Trick haben Sie es durchgesetzt und die genial-heimtückische Marketingmaschinerie perfektioniert.

Nur in der Theorie sind diese Werte möglich, nicht aber in der Praxis! Bei Light-Zigaretten sind die Filter mit Laser perforiert und die winzigen Löcher lassen mehr Luft durch. Somit ziehen Sie mit jedem Zug mehr Luft aus der Umgebung mit rein als den Tabakrauch, soweit die Theorie. Jedoch wurden diese Tests nur im Labor durchgeführt, ohne dass die Zigarette an der Hand und an der Lippe des Rauchers war. Das heißt, die Werte funktionieren nur wenn die Zigarette nicht an der Hand und an den Lippen des Rauchers sind. Wenn Sie jedoch die Zigarette zwischen den Fingern und zwischen den Lippen halten, verschließen Sie die winzigen Löcher und Sie ziehen ganz andere Werte rein wie unter Laborbedingungen getestet.

Der Raucher der auf Light-Zigaretten umsteigt, zieht an der Zigarette im Schnitt drei Mal intensiver weil er ja mehr Nikotin benötigt. Er erhöht die Anzahl seiner Züge an einer Zigarette. Er inhaliert auch tiefer. Untersucht man die gerauchten Filter von Light-Rauchern, so stellt man fest dass die Filterstummel viel stärker zusammengepresst sind, durch das intensivere Raucher bedingt. Das Ganze geschieht meist unbewusst. Somit ist die Light-Version ad absurdum geführt. Das wissen die Hersteller, aber das kümmert sie kaum. Hauptsache die Einnahmen stimmen.

Im Speichel von Light-Rauchern wird somit die gleiche Menge Nikotin festgestellt wie bei Normalrauchern. Überdies steigt bei Frauen die Light rauchen auch noch die Gefahr eines besonders aggressiven Lungenkrebses. Soviel zum Märchen von der Light Zigarette.

Zusammenfassung der Sucht

Fasst man alle oben genannten Punkte mal zusammen so entwickeln wir durch das Rauchen eine körperliche und eine psychische Abhängigkeit.

Die körperliche Abhängigkeit rührt daher, dass sich im Gehirn wie weiter oben beschrieben mehr Rezeptoren bilden die mehr Nikotin aufnehmen möchten. Also wird eine „greifbare“, organische Substanz vermehrt und man spricht dadurch von einer körperlichen Abhängigkeit. Die Rezeptoren möchten nun ständig „gefüttert“ werden. Alle 30 bis 60 Minuten kommt es zu eine, für die Rezeptoren unannehmbare Senkung des Nikotinspiegels im Gehirn. Das Verlangen wird immer stärker und man steckt die nächste Zigarette in den Mund. Innerhalb 7 Sekunden erreichen nun die Nikotinmoleküle das Gehirn, und geben wieder für weitere 30 bis 60 Minuten nach dem letzten Zug, Ruhe.

Gerade bei Frauen mit niedrigem Blutdruck sorgt die Zigarette durch die Freisetzung des Adrenalins kurzfristig für eine Erhöhung des Blutdrucks, es erweckt den Anschein einer Belebung und eine kurzfristige Erhöhung der Vitalität. Aber der Schein trügt. Es ist wie beim Kaffee. Auf eine Belebung erfolgt die Ernüchterung und wir benötigen immer mehr von dieser Substanz. Auf Dauer ist dieser Nutzen sinnlos und nur augenscheinlich.

Die psychische Abhängigkeit wird durch unsere positiven Verknüpfungen mit dem Rauchen hervorgerufen. Wie bereits weiter oben erklärt rauchen die Menschen die Zigarette oft in Situationen des Wohlbefindens. Man denke an die Zigarette zum Kaffee, oder die Zigarette nach dem Sex oder zum Beispiel die gemütliche Zigarette beim Plausch mit der besten Freundin. Bei mir war es damals die Zigarette nach dem Essen. Die musste einfach sein. Solche verstärkenden Situationen graben sich tief in unser Unterbewusstsein. Wenn man mit dem Rauchen aufhören möchte kommt auf einmal das Gefühl hoch, dass zumbei Kaffeetrinken irgendetwas fehlt. Oder nach dem Sex fehlt auf einmal der schöne Abschluss mit der Zigarette. Wie Sie sehen ist die Macht der Assoziation immens. Wie kommen wir aber aus dieser psychischen Abhängigkeit heraus?

Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, müssen Sie einfach neue Verknüpfungen mit dem Rauchen in Verbindung bringen. Zum Beispiel können Sie zum Kaffee schöne Musik hören, statt zu rauchen. Oder beim Plausch mit der Freundin immer wieder tief frische Luft einatmen um zu spüren wie gesund es sich anfühlt. Genauso wie wir mit dem Rauchen Schönes verknüpfen, können wir mit dem Nichtrauchen auch Schönes verknüpfen. Und Sie werden sehen, umso häufiger Sie Ihren Kaffee ohne die Zigarette genießen, desto mehr werden die negativen Verknüpfungen abnehmen und sich neue bilden. Als ich vor ca. 20 Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatte, konnte ich mir kaum vorstellen nach einer Mahlzeit keine Zigarette zu rauchen. Nach einigen Tagen wurde es so selbstverständlich dass ich immer weniger mit Zigaretten in Verbindung brachte. Heute denke ich nicht mal mehr an die Zigarette nach dem Essen. Gemäß dem Sprichwort: „ Use ist or loose it!“ Benutze es oder verliere es. Welch weises Sprichwort. Wenn wir es einfach nicht mehr tun, verlieren wir zu unserem Vorteil die Verknüpfungen und genießen unser rauchfreies Leben.