Illusionen über das Aufhören

Die Motivation und die Erkenntnis sind die stärksten Waffen im Kampf gegen das Rauchen. Was die Motivation am meisten untergräbt sind die Illusionen rund um das Rauchen. Wenn die Illusionen abgebaut sind, wird es Ihnen leichtfallen ein für allemal mit dem Rauchen aufzuhören.

Illusion Nr. 1: Mir wird was fehlen

Wie kann jemandem etwas fehlen, dass derjenige, bevor er zum Raucher wurde, gar nicht hatte. Wir brauchen die Zigarette nur deshalb weil wir die positiven Verknüpfungen und die Rezeptorenanzahl selbst erhöht haben. Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören werden Ihnen tatsächlich etwas fehlen: Die Anzahl der Rezeptoren wird sich nämlich wieder zurückentwickeln und auf Normalniveau einpendeln.

Stellen Sie sich vor Sie haben ein Verlangen nach einer Zigarette. Nach dem Rauchen haben Sie für ca. 30 – 60 Minuten das Verlangen nicht mehr. Ein Verlangen das ein Nichtraucher ohnehin nie hat! Merken Sie die Illusion. Wir bilden uns ein dass uns, wenn wir mit dem Rauchen aufhören, etwas fehlen würde. In der Realität fehlt uns gar nichts. Kein Mensch wird mit einer Nikotinsucht geboren, wenn die Mutter während der Schwangerschaft nicht geraucht hatte. Es ist ein künstlicher Zustand die in unser Leben Einzug gehalten hat. Kein Organ, kein Gewebe, keine Körperzelle braucht das Nikotin wirklich.

Können Sie sich daran erinnern als Sie ziemlich krank waren, zum Beispiel eine Erkältung oder eine Grippe? Sehr viele rauchen in dieser Zeit automatisch nicht mehr, schon allein der Gedanke an die Zigarette ekelt die Kranken an. Der Körper signalisiert dem Gehirn dass er schon so mit den Bakterien und Viren etc. beschäftigt ist. Er kann keinen weiteren „Eindringling oder Schädling“ mehr gebrauchen. Und siehe da, man ist wie durch eine Zauberhand, auch wenn nur für einige Wochen während der Grippe, Nichtraucher. Und das ohne Entzugserscheinungen. Würde uns etwas fehlen, so könnten wir gar nicht überleben. Dem Körper fehlt die Luft wenn wir nicht atmen, dem Körper fehlt Wasser wenn wir nicht trinken, dem Körper fehlt das Essen wenn wir nichts mehr essen. Aber auf das Rauchen kann er verzichten. Von jetzt auf nachher. Auch die meisten Schwangeren werden von heute auf morgen instinktiv zum Nichtraucher. Ohne Entzugserscheinungen. Auf einmal ekelt die Zigarette sie an. Sehen Sie nun die Illusion? Ihnen wird nichts fehlen!!!

Illusion Nr. 2 Ich habe das Rauchen immer so genossen.

Sie haben nicht das Rauchen genossen, sondern die Sucht und die Verknüpfungen die mit dem Rauchen einhergingen. Wie kann ich so etwas behaupten? Können Sie sich noch an Ihre erste Zigarette erinnern? Können Sie sich noch daran erinnern wie beim ersten Zug alle Körperzellen sich dagegen gewehrt haben? Ich kenne keinen Raucher dem der erste Zug geschmeckt hat. Bei den meisten hat sich sogar sofort ein Hustenreflex eingestellt um das scheußliche Zeug wieder abzuhusten. Nach und nach haben sich die Rezeptoren vermehrt und gierten immer mehr nach Nikotin. Der Rauch einer Zigarette schmeckt scheußlich. Ich kenne niemanden der lieber einen Raucher küsst statt einen Nichtraucher. Aber dadurch dass wir mit jedem Zug unsere Sucht befriedigen, erliegen wir der Illusion dass uns die Zigarette schmecken würde.

Noch ein weiterer Vergleich: Meine Frau ist Konditorin und backt wirklich leckere Kuchen. Ich könnte jedoch niemals, selbst wenn mein Bauch so groß wäre, jeden Tag denselben Kuchen essen. O.K nehmen wir mal an ich schaffe am Tag 15 Kuchen. Dann ist aber am nächsten Tag zapfenduster und ich würde wahrscheinlich anfangen zu würgen! Die Lust würde mit jedem Stück abnehmen. Nicht aber mit der Zigarette. Warum nicht? Weil wir die Zigarette nicht genießen, sondern unsere Sucht befriedigen. Ich kenne niemanden mit einer Käsekuchen-Sucht. Aber tausende mit einer Nikotinsucht. Obwohl wir die Zigarette nicht mehr genießen, denken wir dass wir das tun. In Wirklichkeit sind wir Drogenabhängige die nur Ihre Sucht befriedigen. Allein die Entzugserscheinungen die die Raucher wieder mit der Zigarette beruhigen, definieren sie als Genuss. Wir rauchen nur weil wir davon anhängig sind. Gestehen Sie sich das ein und Sie durchbrechen diese Illusion des Geschmacks.

Das Rauchen ist zu einem automatischen Prozess geworden. Wir haben überhaupt kein Bewusstsein mehr dafür, wie die Zigarette eigentlich schmeckt. Machen Sie mal, wenn Sie noch nicht mit dem Rauchen aufgehört haben, mehrere Tests:

  • Ziehen Sie einen kleinen Zug in Ihren Mund hinein. Schmecken Sie nun mal einige Minuten den Rauch. Machen Sie das ruhig mehrere Male. Schmecken Sie den scheußlichen Geschmack. Wir schmecken das Scheusal nur nicht mehr, weil wir so viele Jahre automatisch den Rauch einziehen um unsere Sucht zu befriedigen. Wenn man es sich einmal bewusst macht wie die Zigarette tatsächlich schmeckt, erkennt man die Illusion des Geschmacks einmal mehr. Können Sie noch? Dann kommt noch ein weiterer Vorschlag:
  • Pressen Sie den Rauch gegen Ihren Daumenballen. Machen Sie das bitte mehrfach. Danach lecken Sie die Soße bitte mal ab. Na wie schmeckt es? Scheußlich nicht wahr?
  • Rauchen Sie bitte 2 Zigaretten gleich hintereinander. Haben Sie es gemerkt? Die zweite Zigarette schmeckt so gar nicht mehr! Warum? Weil Sie mit der ersten Zigarette Ihre Sucht für die kommenden 30 – 60 Minuten schon befriedigt hatten. Sehen Sie? Es ist nicht der Geschmack der entscheidet sondern die Sucht ob wir rauchen oder nicht! Jahrelang haben Sie sich den Geschmack nur eingebildet.

 

Illusion Nr. 3: Wenn ich mit dem Rauchen aufhöre, kann ich mich nicht mehr entspannen

Diese Illusion wurde mehrfach durch die Zigarettenwerbung tief in uns reinsuggeriert. Die Gedanken des Rauchers kreisen ständig um das Rauchen. Zigaretten müssen in greifbarer Nähe sein. Die Zigaretten dürfen nicht ausgehen. Es wird immer dafür gesorgt dass sich auch genug Kleingeld im Portemonnaie befindet. Können Sie hier von Entspannung sprechen? Entspannung sieht für mich anders aus. Ein Nichtraucher kann sich entspannen weil er keine Angst davor haben muss, ohne die Zigaretten zu leiden. Seine Energie die er dadurch mehr hat, kann er in die Arbeit stecken. Der Raucher ist innerlich stets nervös und angespannt, um den Moment des Entzugs nicht zu verpassen, es ist ein Teufelskreis. Durch die Botenstoffe Dopamin erlebt der Raucher für eine kurze Zeit ein Wohlgefühl. Ein Wohlgefühl dass der Nichtraucher ohnehin schon hat, ohne je an einer Zigarette ziehen zu müssen. Dieses Wohlgefühl darf man nicht mit Entspannung verwechseln! Das Rauchen schüttet auch Adrenalin aus, dadurch wird man eher aktiviert statt entspannt. Wenn man mit dem Rauchen aufhört, lebt man deutlich entspannter weil man diesen Teufelskreis durchbricht.

Illusion Nr. 4: Wenn ich mit dem Rauchen aufhöre, werde ich an Entzugserscheinungen leiden müssen.

Vorneweg: Ja Sie werden Entzugserscheinungen haben. Aber diese Entzugserscheinungen werden nach diesem Kurs weit weniger dramatisch verlaufen als Sie dachten. Die meisten Symptome machen wir uns selbst. Wenn wir den Entzug mit Heroinentzug oder Alkoholentzug vergleichen, ist der Nikotinentzug bei weitem nicht so dramatisch. Weiter unten beschreibe ich Ihnen die Symptome beim Entzug von härteren Drogen.

Hier möchte ich noch paar Illusionen mehr anbringen:

Illusion Nr. 5: Rauchen macht mich „Erwachsener“

Dieser Illusion verfallen vor allem die Jugendlichen oder die Teenager. Was bitte ist am Rauchen erwachsen? Wenn man erwachsen ist, sollte man klüger sein. Hier in Deutschland darf man den Führerschein erst mit 18 Jahren machen. Warum? Weil man dann erwachsen ist und erst dann fähig ist die Gefahren einzuschätzen. Rein motorisch wäre schon ein 14-jähriger durchaus in der Lage ein Auto zu fahren. Wie kann man dann behaupten dass es erwachsen wäre die Gefahren zu unterschätzen und zu rauchen? Wie erwachsen kann es sein dass man es törichterweise hinnimmt 10-12 Jahre früher zu sterben? Wie erwachsen kann man sein wenn man hinnimmt womöglich an einer schlimmen Krebserkrankung zu sterben. Das Erwachsensein wird oft mit Weisheit in Verbindung gebracht. Wie Weise ist man, wenn man trotz der Risiken immer noch weiterraucht.

Illusion Nr. 6: Wenn ich nicht mehr rauche werde ich auf Party´s und in der Discothek unsicher und weiß nicht mehr, an was ich mich aus Unsicherheit „festhalten“ kann.

Viele denken sie würden nicht mehr wissen was Sie mit Ihren Händen machen, wenn sie nicht mehr rauchen. Wie fühlen Sie sich wenn Sie sich selbst betrügen? Niemand, rein niemand wird selbstbewusster indem er raucht oder sich an den Krebsstängeln festhält. Das kaschiert für eine kurze Weile vielleicht die Unsicherheit die man empfindet. Aber werden Sie dadurch selbstbewusster? Selbstbewusstsein und Selbstbestimmtheit sind sich ähnlich. Wie selbstbestimmt sind Sie wenn Sie sich an etwas sklavisch festhalten müssen dass sie zwanghaft kontrolliert? Selbstbewusst ist, wenn ich keine „Hilfsmittel“ oder „Scheinheiligkeiten“ brauche um mir selbst bewusst zu sein. Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, werden Sie eine neue Stärke erleben, allein aus dem Bewusstsein heraus, dass Sie kein Sklave mehr sind, sondern selbstbestimmt entscheiden können.

Illusion Nr. 7: Alle meine Freunde rauchen. Wenn ich nicht mehr rauche, gehöre ich nicht mehr richtig dazu.

Da gebe ich Ihnen völlig Recht. Sie gehören nicht mehr dazu viel früher zu sterben. Sie gehören nicht mehr dazu, womöglich ein Lebensende in Siechtum durch Krebs zu führen. Sie gehören nicht mehr dazu so viel Geld in sinnlosen Qualm zu stecken. Der Herdentrieb in uns kann eine große Falle sein. Warum möchten Sie nicht ein individuell frei denkender Mensch sein? Die interessantesten Menschen die ich kenne, lassen sich nicht von der Masse mitreisen. Sie schwimmen gegen den Strom. Es ist so einfach in der Komfortzone zu bleiben. Aber so mutig über seinen eigenen Schatten zu springen. Wenn alle Freunde rauchen und Sie aufhören, werden Sie eine besondere Rolle unter Ihren Freunden haben. Sie werden zum Vorreiter. Ich glaube kaum dass Sie ein Freund, nur weil Sie mit dem Rauchen aufgehört haben, abschätzig behandeln wird. Wenn doch, dann ist es nicht Ihr wahrer Freund. Ein echter Freund wird Sie bewundern und womöglich Ihnen nacheifern. Sie werden auf einmal zum Vorbild. Richtig, sie werden nicht mehr zum „Einheitsbrei“ dazugehören.

Illusion Nr. 8: Unser Altkanzler Helmut Schmidt rauchte auch jahrelang Kette und ist gesund alt geworden. Also muss es nicht sein, dass man durch das Rauchen krank wird und jung stirbt.

Ausnahmen gibt es in jedem Bereich des Lebens. Vielleicht hatte Herr Schmidt gute Gene und wäre ohne das Rauchen noch viel älter geworden. Vielleicht hatte er eine außergewöhnliche Entgiftungsleistung des Körpers was man so gar nicht auf die Allgemeinheit übertragen kann. Und wissen wir wirklich ob er gesund war? Kennen Sie in persönlich? Niemand gibt seine Krankheiten freiwillig preis. Nur weil wir einen rauchenden Altkanzler im Fernsehen sehen, heißt das noch lange nicht dass er gesund war. Nachgewiesen und Fakt ist:

  • 9 von 10 Lungenkrebsfälle sind direkt auf das Rauchen zurückzuführen
  • Jährlich sterben weltweit 5,4 Millionen Menschen durch das Rauchen
  • Das Rauchen verursacht oder begünstigt in hohem Maße mehr als 20 Krebsarten
  • Die Haut altert viel schneller
  • Lungengewebe wird zerstört
  • Herz-Kreislauf Erkrankungen werden stark begünstigt
  • Und zuletzt: Auch Helmut Schmidt starb an den Folgen des Rauchens. Er hatte wohl sehr gute Gene zum Altwerden mitgebracht. Ohne das Rauchen wäre er sicherlich sehr viel älter und gesünder älter geworden.

Hier nochmal eine Zusammenfassung der nachgewiesenen Folgen durch das Rauchen:

Grafik Heidelberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg

 

Illusion Nr. 9: Wenn ich mit dem Rauchen aufhöre, werde ich zwangsläufig zunehmen.

Durch das Rauchen wird mehr Adrenalin ausgeschüttet. Dadurch erhöht sich der Stoffwechsel. Wenn man mit dem Rauchen aufhört verbrennt man täglich 200 Kalorien weniger, das stimmt. Die gute Nachricht ist aber: Es gibt Wege um auch nach dem Rauchen das Gewicht zu halten. Durch das Mehr an Energie die Sie durch das Aufhören bekommen, können Sie z.B mehr zu Fuß gehen, oder Sie bewegen sich im Alltag einfach mehr. 200 Kalorien sind nicht die Welt. Nutzen Sie diese positive Energie um sich zum Beispiel einer Walking-Gruppe anzuschließen. Oder Sie beginnen gleich mit einer ganz neuen Sportart und begünstigen somit die Entgiftung noch mehr. Trinken Sie mehr. Trinken Sie 20 Minuten vor jeder Mahlzeit ein großes Glas Wasser. Damit wird auch der Grundumsatz erhöht und die Entgiftung wird angekurbelt.

Wenn man mit dem Rauchen aufhört neigen manche dazu, das Suchtverhalten durch Mehressen zu kompensieren. Machen Sie sich bewusst dass es kommen kann. Hören Sie auf Ihren Körper. Fühlen Sie die Sättigung im Bauch. Hören Sie auf zu essen wenn Sie ein leichtes Völlegefühl entwickeln. Viele Ex-Raucher entwickeln nach dem Aufhören ein ganz neues Bewusstsein für das Essen. Die Geschmacksknospen werden wieder sensibler. Sie nehmen mehr Geschmäcker wahr als in Ihrem vorherigen Leben als Raucher. Ich habe nicht selten erlebt, dass Ex-Raucher mit einer gesunden Ernährungsweise begonnen haben, als Sie mit dem Rauchen aufhörten. Einige nahmen dabei sogar ab. Man schmeckt das Essen intensiver.

Kosten Sie ab jetzt jeden Bissen aus. Bemühen Sie sich um eine gesunde Ernährung mit naturbelassenen Nahrungsmitteln. Somit können Sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das gesamte Giftcocktail des Rauchens weglassen und mit einer gesünderen Ernährung beginnen. Der Synergieeffekt und der gesundheitliche Nutzen sind immens. Dadurch dass Sie mehr schmecken, werden nun auch viele natürlich Lebensmittel attraktiver die Sie vielleicht zuvor nicht mochten. Nur weil Sie die leckeren Inhaltsstoffe gar nicht rausschmeckten. Fangen Sie an zu genießen, nicht nur das neugewonnene Geschmackserlebnis, sondern auch Ihr gesünderes Leben! Glauben sie mir, 200 Kalorien sind wirklich nicht viel.

Es gibt noch so viele weitere Illusionen rund um das Aufhören mit dem Rauchen. Die hier und weiter oben gezeigten sind die Häufigsten und die Wichtigsten.